WS 2026/27

KI verstehen und Aufträge formulieren

Kontext, Grenzen, vier Teile eines Auftrags
Prof. Dr. Jan Kirenz | Agentic AI für Growth Marketing | HdM Stuttgart

Modell, Chat und Workflow sind drei verschiedene Dinge

Ebene 1

Sprachmodell

Erzeugt Text aus gelernten Mustern und dem, was ihm für die aktuelle Aufgabe vorliegt. Sonst nichts.

Ebene 2

Chat

Das Produkt um das Modell herum: Verlauf, Websuche, Dateien. Gemini, ChatGPT, Claude. Ein Mensch führt den Dialog.

Ebene 3

Workflow

n8n verbindet Arbeitsschritte und ruft das Modell über eine Schnittstelle auf. Chatkonto und Modellverbindung sind zwei getrennte Zugänge.

Vier Begriffe reichen für die Übungen

Begriff

Token

Einheiten, in denen Text verarbeitet wird, oft Wortteile. Langes Material braucht mehr Kapazität.

Begriff

Kontext

Was dem Modell für die aktuelle Aufgabe tatsächlich vorliegt. Das Angebot von Aurenta gehört hinein.

Begriff

Trainingswissen

Allgemeine Muster aus dem Training. Daraus folgt keine Kenntnis des fiktiven Angebots oder interner Daten.

Begriff

Halluzination

Plausibel formuliert, aber nicht gedeckt oder falsch. Ein erfundener Buchungslink zum Beispiel.

Das Modell weiß nur, was im Kontext steht

„Was kostet der KI-Praxischeck Marketing von Aurenta?“ Ohne Fallpaket kann das Modell den Preis nicht kennen, es kann ihn nur erfinden. Mit Fallpaket ist die Antwort eindeutig: 2.400 Euro netto.

Der Preis ist bekannt, konkrete Gesprächstermine sind es nicht. Genau diese Lücke muss das Modell erkennen statt füllen.

Acht Fragen zu Modell, Kontext und Token

Eine Antwort anklicken. Danach erscheint hier die Erklärung.

Gleiche Eingabe, verschiedene Ausgaben: ein Lauf beweist nichts

Was das Ergebnis beeinflusst

  • das Modell und seine Version
  • Einstellungen und Produktfunktionen
  • der Kontext, auch die Reihenfolge darin
  • der Zufall bei der Texterzeugung

Was daraus folgt

  • Modell, Produkt und Datum im Testprotokoll notieren
  • mehrere Fälle statt eines Falls
  • ein erfolgreicher Lauf ist ein Hinweis, keine Zuverlässigkeitsaussage
  • Quellen-IDs prüfen: Q1 bis Q8 sind interne Material-IDs, keine Publikationen

Beobachtung, Interpretation und Entscheidung auseinanderhalten

Beobachtung

„fragt nach Material“

Gestützt durch das Anliegen von K-02. Steht so im Text.

Interpretation

„hat kein Budget“

Ohne weitere Information eine Vermutung. Gehört in die offenen Punkte, nicht in die Begründung.

Entscheidung

„material, M2“

Folgt aus Beobachtung und Regel 3: Bitte um Informationen ohne Gesprächswunsch.

Aufträge formulieren

Ein guter Auftrag ist ein Prompt mit vier Teilen

Teil 1

Kontext

Die Fakten, die nur wir kennen: das Angebot von Aurenta, die Regeln, das Anliegen von K-02. Wichtig, und der Teil, den die meisten weglassen.

Teil 2

Aufgabe

Das eine konkrete Ergebnis, das wir wollen. Beispiel: Empfiehl für K-02 den nächsten Schritt und schreibe den Nachrichtenentwurf.

Teil 3

Format

Länge, Struktur, Ton. Beispiel: Entscheidung, Begründung, Material-ID, Entwurf mit höchstens 120 Wörtern in der Sie-Form.

Teil 4

Prüfung

Was das Modell melden soll, statt Lücken zu füllen. Beispiel: Nenne am Ende, was fehlt oder unsicher ist. Wichtig, und fast alle vergessen es.

Das Modell kennt das Handwerk. Was es nicht kennen kann, liegt nur bei uns. Deshalb bewegen Kontext und Prüfung das Ergebnis am meisten.

Was fehlt, ersetzt das Modell durch Vermutungen


  
Was das Modell daraus macht

Eine Änderung gezielt prüfen: ein Fehler, eine Regel, zwei Tests

  1. Einen tatsächlich unpassenden Output benennen, etwa: Einladung statt der erbetenen Zusammenfassung.
  2. Genau eine Regel präzisieren.
  3. Denselben Fall erneut prüfen.
  4. Einen zuvor bestandenen Fall ebenfalls prüfen, damit die Änderung nichts verschlechtert.
Die bisherige Antwort schlägt ein Erstgespräch vor, obwohl K-02
zunächst die Webinarinhalte nacharbeiten möchte.
Überarbeite die Empfehlung so, dass sie diesen Informationsbedarf
beantwortet. Behalte die Leistungsangaben unverändert.
Begründe, welche Regel geändert wurde.

Ein zweiter Chat liefert Kritik, keine Freigabe

Ein frischer Chat kann einen Entwurf gegen vorher festgelegte Kriterien prüfen. Das Team gleicht die Kritik mit dem Material ab. Zustimmung des zweiten Modells ist kein unabhängiger Wahrheitsbeweis.

Prüfe diesen Entwurf gegen das beigefügte Fallpaket.
Bewerte Anliegenbezug, korrekte Leistungsangaben und passenden
nächsten Schritt. Nenne konkrete Textstellen und die Fallgrundlage.
Erstelle keinen neuen Text und erteile keine Freigabe.

Übung 1.3: Der erste Prompt

Etwa 20 Minuten, erst einzeln, dann im Team.

  1. Jede Person: neuer Chat, Prompt von der Kursseite hinein, an der markierten Stelle den Text aus dem Doc „Kontext für Gemini” einfügen, abschicken.
  2. Antwort mit Namen in ein Dokument in der Teamablage kopieren.
  3. Die drei Antworten vergleichen: Empfehlung? Passt sie zu Regel 3 im Fallpaket? Wird etwas erfunden? Steht am Ende, was fehlt?
  4. Zwei Sätze: Worin unterscheiden sich die drei Antworten bei gleichem Prompt?

Ergebnis: Prompt und drei bewertete Antworten in der Teamablage. Derselbe Prompt wird in Übung 1.4 der KI-Schritt im Workflow.