WS 2026/27

Growth Marketing am Fall Aurenta

Kundenweg, Hypothese, Experiment
Prof. Dr. Jan Kirenz | Agentic AI für Growth Marketing | HdM Stuttgart

Der Input hat vier Teile

1 KundenwegSechs Stationen, an jeder gehen Kontakte verloren

2 AARRRFünf Fragen als Raster für Kennzahlen

3 Wertschöpfungskette und LoopVon der Frage zur Aktion, und wie Wachstum entsteht

4 HypotheseVon der Beobachtung zur prüfbaren Aussage

Etwa 35 Minuten. Danach Übung 1.2 mit den Webinar-Kontakten im Google Sheet.

Der Kundenweg

Auf dem Weg vom Fachbeitrag zum Auftrag verliert Aurenta an jeder Station Kontakte

Eine Station anklicken zeigt, was dort passiert. „Abspielen“ lässt die 330 Kontakte den Weg entlanglaufen, ein Punkt ist ein Kontakt.

Von 198 Follow-ups führen 10 zu einem qualifizierten Gespräch

10 von 198 durchgeführte qualifizierte Gespräche nach dem Follow-up, das sind 5,1 Prozent in 14 Tagen.

Drei Kampagnen von Aurenta, Beobachtung jeweils 14 Tage nach dem Webinar.

Wo geht am meisten verloren, und welche Kennzahl zeigt das?

Eine Station anklicken.

Vier Begriffe genügen für das Projekt

Begriff

Lead

Ein Kontakt, der zur Zielgruppe passt und ein erkennbares Anliegen hat. Kein sicherer Auftrag.

Begriff

Qualifizierung

Prüfung, ob ein Lead zum Angebot passt, anhand vorher festgelegter Kriterien.

Begriff

Conversion

Ein vorher definierter Übergang, etwa vom Follow-up zum gebuchten Gespräch.

Begriff

Conversion-Rate

Zähler, Nenner und Zeitraum. Ohne alle drei ist es keine Rate.

Eine Rate braucht Zähler, Nenner und Zeitraum

Keine Rate

  • „16 Buchungen”
  • „10 Gespräche, das sind 62 Prozent”
  • „Die Kampagne lief gut”

Rate

  • 16 Buchungen von 198 Follow-ups innerhalb von 14 Tagen: 8,1 Prozent
  • 10 durchgeführte qualifizierte Gespräche von 198 Follow-ups: 5,1 Prozent

AARRR als Raster

Acquisition fragt, wie ein passender Erstkontakt entsteht

Acquisition

Die Frage

Wie entsteht ein passender Erstkontakt?

Bei Aurenta

Der Übergang

Anmeldung zum Webinar über einen Fachbeitrag. Passend heißt: Marketingabteilung eines mittelständischen B2B-Unternehmens.

Messgröße

Kennzahl

Anmeldungen je Fachbeitrag, Anteil der Anmeldungen aus der Zielgruppe.

Activation fragt, wann der Kontakt zum ersten Mal Nutzen erlebt

Activation

Die Frage

Wann erlebt der Kontakt zum ersten Mal konkreten Nutzen?

Bei Aurenta

Der Übergang

Eine Arbeitshilfe hilft bei der Auswahl eines eigenen KI-Anwendungsfalls, oder ein Erstgespräch klärt die Aufgabe.

Messgröße

Kennzahl

Anteil der Follow-ups mit Antwort, Anteil geführter qualifizierter Gespräche.

Retention fragt, warum die Beziehung relevant bleibt

Retention

Die Frage

Warum bleibt die Beziehung relevant?

Bei Aurenta

Der Übergang

Weitere passende Inhalte nach dem Webinar, erneute Zusammenarbeit nach dem Praxischeck.

Messgröße

Kennzahl

Anteil der Kunden mit Folgeprojekt, Öffnungsrate weiterer Inhalte bei Kontakten ohne Auftrag.

Referral fragt, wann das Angebot weiterempfohlen wird

Referral

Die Frage

Wann wird das Angebot weiterempfohlen?

Bei Aurenta

Der Übergang

Eine zufriedene Kundin stellt einen Kontakt her, oder eine Fallstudie zieht ähnliche Unternehmen an.

Messgröße

Kennzahl

Anteil der Erstkontakte, die über eine Empfehlung oder Fallstudie kommen.

Revenue fragt, wie Umsatz entsteht

Revenue

Die Frage

Wie entsteht Umsatz?

Bei Aurenta

Der Übergang

Der beauftragte KI-Praxischeck Marketing, 2.400 Euro netto als Festpreis.

Messgröße

Kennzahl

Aufträge je Kampagne, Umsatz je Auftrag, Kosten je Auftrag.

AARRR stellt fünf Fragen an jeden Kundenweg: die Übersicht

Bereich Frage Bei Aurenta
Acquisition Wie entsteht ein passender Erstkontakt? Anmeldung zum Webinar über einen Fachbeitrag
Activation Wann erlebt der Kontakt zum ersten Mal Nutzen? Arbeitshilfe zur Auswahl eines KI-Anwendungsfalls
Retention Warum bleibt die Beziehung relevant? Weitere passende Inhalte, erneute Zusammenarbeit
Referral Wann wird das Angebot weiterempfohlen? Eine zufriedene Kundin stellt einen Kontakt her
Revenue Wie entsteht Umsatz? Beauftragter Praxischeck

Im Blockkurs zählt der Übergang von Acquisition zu Activation

Vom Webinar-Kontakt zum qualifizierten Gespräch. Die anderen Bereiche kommen im Semesterprojekt je nach Zuschnitt mit Zoi dazu.

Wertschöpfungskette und Growth Loop

Von der Frage zur Aktion führen sieben Stufen, und die Evaluation stellt die nächste Frage

Wertschöpfungskette
Von der Frage zur Aktion, und zurück zur Frage
Auf „Weiter“ klicken, um die sieben Stufen am Fall Aurenta zu durchlaufen. Ein Klick auf eine Stufe erklärt sie.

Ein Growth Loop verstärkt sich mit jeder Runde

Growth Loop
Der Output einer Runde ist der Input der nächsten
Ein abgeschlossenes Projekt wird zur Fallstudie. Die Fallstudie zieht passende Interessierte an. Aus Interessierten werden neue Projekte. Auf „Nächste Runde“ klicken, ein Klick auf einen Knoten erklärt ihn.
Beispielzahlen für den Mechanismus: je Fallstudie 4 Interessierte, jede zweite Anfrage wird ein Projekt.

Die Kette erzeugt Erkenntnis, der Loop erzeugt Wachstum

Wertschöpfungskette

  • beschreibt, wie ein Team von der Frage zur Aktion kommt
  • eine Runde, eine Kennzahl, eine Entscheidung
  • Werkzeug der Blocktage und des Messdesigns

Growth Loop

  • beschreibt, wie ein Geschäft wächst
  • der Output eines Durchlaufs ist der Input des nächsten
  • Frage für das Semesterprojekt: Gibt es bei Zoi einen solchen Mechanismus?

Vom Material zur Hypothese

Aus Frage und Meinung wird eine prüfbare Hypothese

Frage

Beobachtung

198 Follow-ups, 16 Buchungen, 10 qualifizierte Gespräche. Wer nur nachlesen wollte, hat fast nie gebucht: 1 von 60.

Meinung

Mögliche Erklärungen

Die einheitliche Gesprächseinladung kommt zu früh. Oder: Angebot oder Zeitpunkt passen nicht.

Plan

Hypothese

Eine Nachbereitung nach Anliegen führt in 14 Tagen zu mehr qualifizierten Gesprächen als die einheitliche Einladung.

Eine Hypothese folgt dem Muster „Wenn wir X ändern, dann Y, weil Z”

Wenn die Nachbereitung sich am Anliegen des Kontakts orientiert, statt allen ein Erstgespräch anzubieten, dann steigt die Zahl qualifizierter Gespräche in 14 Tagen, weil mehr Kontakte den für sie passenden nächsten Schritt bekommen.

X: die Änderung. Y: die messbare Wirkung mit Zeitraum. Z: der vermutete Mechanismus.

Ein KI-Workflow wird auf drei Ebenen bewertet

Ebene 1

Marketingwirkung

Bringt die Änderung mehr passende Gespräche? Gemessen als qualifizierte Gespräche je Gruppe in einem festen Zeitraum.

Ebene 2

Qualität

Sind Empfehlungen und Texte richtig? Anteil korrekter Empfehlungen, gedeckte Aussagen, eingehaltene Kontaktsperre.

Ebene 3

Aufwand

Spart der Workflow Zeit? Bearbeitungszeit pro Kontakt inklusive Prüfung und Nacharbeit.

In den Blocktagen wird Ebene 2 geprüft. Messdesign für Ebene 1 und Aufwand für Ebene 3 kommen im Semesterprojekt dazu.

Indeed und Copy.ai zeigen, wo KI im Marketing heute eingesetzt wird

Indeed

KI für kreative Entwürfe, Tests, Markenrecherche und personalisierte Ansprache im Vertrieb (Interview mit OpenAI, Januar 2026).

Transferfrage: Welcher wiederkehrende Vorbereitungsschritt ähnelt der Nachbereitung bei Aurenta?

Copy.ai

Claude in Content-Workflows zur Erstellung und Bearbeitung von Marketinginhalten (Fallstudie von Anthropic).

Transferfrage: Welche Informationen und Prüfkriterien müssen feststehen, bevor Content in großer Zahl erzeugt wird?

Beide Quellen sind Berichte der KI-Anbieter, keine unabhängigen Studien. Links im Werkzeugkasten.

Übung 1.2: Vom Trichter zur Hypothese

Etwa 30 Minuten im Dreierteam.

  1. Kopie des Google Sheets mit den 330 Webinar-Anmeldungen anlegen.
  2. Pivot 1: Trichter je Kampagne. Wo gehen die meisten Kontakte verloren? Mit Zähler und Nenner in die Experimentkarte.
  3. Pivot 2: Anliegen gegen Buchung. Welche Gruppe bucht fast nie, welche oft?
  4. Zwei Erklärungen aus den Tabellen, eine davon als Hypothese: „Wenn wir X ändern, dann Y, weil Z”.
  5. Kennzahl mit Zähler, Nenner und Zeitraum.

Ergebnis: Sheet-Kopie mit zwei Pivot-Tabellen und Experimentkarte in der Teamablage.

A/B-Test und Kreuztabellen

Ein A/B-Test vergleicht Kontrollgruppe und Treatment-Gruppe unter vier Regeln

Regel 1

Zufällige Zuteilung

Der Zufall entscheidet, wer in die Kontrollgruppe A (bisherige Einladung) und wer in die Treatment-Gruppe B (nach Anliegen) kommt.

Regel 2

Nur eine Änderung

Wer Text, Zeitpunkt und Absender gleichzeitig ändert, weiß nicht, was gewirkt hat.

Regel 3

Kennzahl vorher festlegen

Qualifizierte Gespräche innerhalb von 14 Tagen. Nicht nachträglich wechseln.

Regel 4

Genug Fälle

Kleine Unterschiede bei kleinen Zahlen sind meistens Zufall. Nächste Folie.

Bei 100 Kontakten pro Gruppe entscheidet oft der Zufall, wer vorn liegt

Gruppe Qualifiziertes Gespräch Kein Gespräch Summe
A: Kontrollgruppe, bisherige Einladung – – –
B: Treatment-Gruppe, nach Anliegen – – –
Summe – – –
Noch kein Durchlauf. Der Zufall entscheidet, welcher Kontakt ein Gespräch führt, mit den eingestellten wahren Quoten.

Ob ein Unterschied mehr als Zufall ist, klärt ein statistischer Test. Das kommt in einer eigenen Einheit im Semester, vor dem Messdesign.

Das Ergebnis eines A/B-Tests steht in einer Kreuztabelle mit absoluten Werten

Gruppe Qualifiziertes Gespräch Kein qualifiziertes Gespräch Summe
A: Kontrollgruppe, bisherige Einladung 5 94 99
B: Treatment-Gruppe, nach Anliegen 9 90 99
Summe 14 184 198

Erfundene Beispielzahlen für Aurenta. Zeilen sind die Gruppen, Spalten das Ergebnis, Zellen die Anzahl der Kontakte. Stufe 1 von 3.

Zeilenanteile beantworten: Wie viele der Kontakte in Gruppe B führten ein Gespräch?

Gruppe Qualifiziertes Gespräch Kein qualifiziertes Gespräch Summe
A: Kontrollgruppe 5,1 % 94,9 % 100 %
B: Treatment-Gruppe 9,1 % 90,9 % 100 %
Gesamt 7,1 % 92,9 % 100 %

Jede Zeile summiert auf 100 Prozent. Das ist die Gesprächsquote, die im A/B-Test verglichen wird. Stufe 2 von 3.

Spaltenanteile beantworten eine andere Frage: Wie viele der Gespräche kamen aus Gruppe B?

Gruppe Qualifiziertes Gespräch Kein qualifiziertes Gespräch Summe
A: Kontrollgruppe 35,7 % 51,1 % 50 %
B: Treatment-Gruppe 64,3 % 48,9 % 50 %
Summe 100 % 100 % 100 %

Jede Spalte summiert auf 100 Prozent. 9 von 14 Gesprächen kamen aus B. Klingt eindrucksvoll, ist aber nicht die Gesprächsquote und sagt nichts über die Wirkung je Kontakt. Stufe 3 von 3.

Rund 400 Kontakte pro Gruppe, um 5 gegen 10 Prozent zu unterscheiden

Bei 99 Kontakten pro Gruppe ist ein Unterschied von 5 gegen 9 Gesprächen nicht von Zufall zu trennen. Für einen Nachweis von 5 auf 10 Prozent braucht ein Test etwa 400 Kontakte je Gruppe.

Übliche Annahmen eines statistischen Tests: Irrtumswahrscheinlichkeit 5 Prozent, Teststärke 80 Prozent. Wie die Rechnung geht, behandeln wir in einer eigenen Einheit im Semester.

Jeder Testfall hat zwei Merkmale: die erwartete und die tatsächliche Empfehlung

Zeilen

Erwartet

Vor dem Lauf im Testprotokoll festgelegt. K-02: Material, weil nur nachgearbeitet werden soll.

Spalten

Tatsächlich

Was der Workflow ausgibt. K-02: Erstgespräch.

Zelle

Anzahl Fälle

K-02 landet in Zeile Material, Spalte Erstgespräch. Auf der Diagonale stehen die Treffer.

Dieselbe Kontingenztabelle wie beim A/B-Test, nur mit zwei anderen Merkmalen. Zeilenanteile: Wenn Material erwartet war, wie oft kam Material? Spaltenanteile: Wenn der Workflow Erstgespräch sagt, wie oft stimmt das?

Neun Testfälle, vier mögliche Empfehlungen: die Tabelle füllt sich beim Bewerten

Zeilen: erwartete Empfehlung aus dem Testprotokoll. Spalten: tatsächliche Empfehlung des Workflows. Zelle: Anzahl Fälle.
Noch nichts bewertet.

Die Diagonale zeigt die Treffer, die Anteile zeigen, wo die nächste Regeländerung ansetzt

Erwartet (Zeile) / Workflow (Spalte) Material Rückfrage Erstgespräch Summe
Material 3 0 1 4
Rückfrage 0 2 1 3
Erstgespräch 0 0 2 2
Summe 3 2 4 9

Zeilenanteile: Material 3 von 4 (75 %), Rückfrage 2 von 3 (67 %), Erstgespräch 2 von 2 (100 %). Spaltenanteile: Wenn der Workflow Erstgespräch sagt, stimmt es nur in 2 von 4 Fällen (50 %). Ob 7 von 9 besser ist als 5 von 9 bei einer einfachen Lösung, klärt bei so kleinen Zahlen nur ein statistischer Test; auch das kommt später.

Das Messdesign ist Teil der Abgabe, die Durchführung nicht

Für Playbook und Evaluation im Semesterprojekt:

  1. Varianten und die eine Änderung benennen
  2. Zuteilung beschreiben (zufällig, welche Kontakte)
  3. Kennzahl mit Zähler, Nenner und Zeitraum festlegen
  4. Nötige Fallzahl abschätzen und mit der verfügbaren vergleichen
  5. Kreuztabelle als Ergebnisformat vorbereiten
  6. Kontroll- und Treatment-Gruppe, Kreuztabelle mit Zeilenanteilen und den statistischen Test für den Vergleich benennen (Einheit dazu folgt im Semester)